Interne Bestandsaufnahme · 28. Juli 2026

Welche Formate bei uns wirklich funktionieren, und was dazukommen sollte

Auswertung von 127 eigenen Reels aus vier Monaten, gegengelesen mit vier Formaten von anderen Creators, die wir bisher nicht bespielen, plus einer Prüfung, ob das KI-Thema selbst an Zugkraft verliert. Ziel: entscheiden, welche zwei bis drei Formate wir zusätzlich in die Rotation nehmen.

Datenbasis: Instagram Graph API 25.03.–27.07.2026, Wikimedia Pageviews API, Google Trends, eigener Wettbewerbs-Scrape vom 05.07.2026.

Wo wir gerade stehen

Der Kanal läuft seit April rückwärts. Die Frage ist, wie viel davon an uns liegt und wie viel am Markt. Beides haben wir getrennt geprüft.

57.776Ø Views im April
27.428Ø Views im Juli
−53 %Veränderung
4 → 0Videos über 100k pro Monat
+17 %Kommentar-Rate im selben Zeitraum
Der wichtigste Befund Die Kommentar-Rate ist gestiegen, während die Views gefallen sind. Die bestehende Audience ist aktiver denn je, es kommt nur kaum jemand Neues dazu. Das ist kein Bindungsproblem, sondern ein Verteilungsproblem, und Verteilung entscheidet sich an der Skip-Rate in den ersten Sekunden.

Skip-Rate sagt fast alles voraus

Skip-RateVideosØ Views
unter 45 %1688.031
45–50 %3455.437
50–55 %3035.997
55–60 %3321.099
über 60 %1421.027

Der Sprung von der Mittelklasse in die Spitzenklasse ist Faktor 2,4. Jedes Format, das wir neu aufnehmen, wird an genau dieser Zahl gemessen.

Ist das Thema einfach durch?

Die naheliegendste Erklärung für den Rückgang lautet: KI ist auf Instagram nicht mehr so gefragt wie im Frühjahr. Wir haben sie geprüft, statt sie anzunehmen. Das Ergebnis ist geteilt.

Was für die These spricht

Das öffentliche Interesse an Claude ist messbar zurückgegangen. Wikipedia-Abrufe pro Tag, jeweils Tag 1 bis 26 des Monats, damit Juli fair vergleichbar bleibt:

ArtikelFebAprilJuliApr → Jul
Claude (englisch)9.8268.9715.592−38 %
Claude (deutsch)1.6931.541875−43 %
Anthropic21.06412.7786.096−52 %

Ein Sommerloch ist das nicht: Der Wikipedia-Gesamtverkehr ist im selben Zeitraum um 1,3 Prozent gestiegen. Der Rückgang ist echt.

Was dagegen spricht

Der Februar-Peak war kein Werkzeug-Hype, sondern ein Nachrichtenzyklus. Der Spitzentag beim Anthropic-Artikel war der 28. Februar mit 113.234 Abrufen, ausgelöst von einer Politik-Story rund um ein Nutzungsverbot in US-Behörden. Leute, die deswegen nachgeschlagen haben, waren nie unsere Zielgruppe. Und das Juli-Niveau liegt immer noch 56 Prozent über Januar.

Der KI-Markt selbst kühlt nicht ab. Im gleichen Zeitraum:

Der entscheidende Kontrollversuch Wenn das Thema die Grenze wäre, dürfte im selben Fenster niemand damit große Reichweite holen. Aus unserem eigenen Wettbewerbs-Scrape vom 5. Juli, 80 Beiträge: ein deutscher AI-Creator liegt bei 98.900 Views im Schnitt mit 27 Prozent seiner Videos über 100.000, ein zweiter bei 37.100. Wir lagen im selben Zeitraum bei 30.400 mit null Videos über 100.000. Am 4. Juli, gleiches Thema, gleicher Tag: er 154.000, wir 11.600.

Der Zeitstempel, der es entscheidet

Unsere Watch-Time fiel schon ab Februar, von 17,0 auf 15,3 auf 14,5 Sekunden, also zwei Monate bevor die Reichweite nachgab. Eine sinkende Nachfrage senkt die Ausspielung, aber nicht die Haltezeit derer, die trotzdem schauen. Sinkende Haltezeit vor sinkender Reichweite ist ein Signal von uns, nicht vom Markt.

Fazit: Die Marktabkühlung ist real, aber sie erklärt schätzungsweise 10 bis 20 der rund 50 verlorenen Prozentpunkte. Zwei Drittel bis drei Viertel liegen bei Thema, Format und Machart. Richtig an der These ist vor allem eins: April ist ein unfairer Maßstab, weil dieser Monat teilweise von einem Nachrichtenzyklus getragen wurde, mit dem unser Content nichts zu tun hatte.

Unsere vier funktionierenden Formate

Sortiert nach gemessener Wirkung, jeweils mit den Videos, die es belegen.

Format 1

Der Release-Drop mit fremder Autorität

Der erste Satz beginnt mit einem Namen, der nicht unserer ist: „Anthropic hat gerade offiziell…", „OpenAI hat gerade…", „Boris Cherny hat gerade…". Danach sofort, was das für den Zuschauer bedeutet.

Belege
Word 162.803 · PowerPoint 157.165 · Higgsfield 156.998 · Meta Ads 77.742 · Excel 71.778
Skip-Rate
40–46 %, also durchgehend Spitzenklasse
Bedingung
Es muss echt frisch sein. Ohne Anlass trägt das Muster nicht.
Das ist unser stärkstes Format, und wir haben es seit Mai kaum noch gespielt, weil die Themen intern geworden sind.
Format 2

Die Enthüllung über den Zuschauer

Nicht „dieses Tool kann X", sondern „bei dir passiert gerade X, ohne dass du es weißt". Der Zuschauer ist Gegenstand des Videos, nicht das Werkzeug.

Belege
Memory-Profil 58.310 (Skip 37,8 %, beste Rate überhaupt) · Ja-Sager 106.162
Save-Rate
6,1 %, der höchste Wert im gesamten Zeitraum
Format 3

Die Einsteiger-Anleitung

„Die drei Dinge, die du als erstes machen solltest, wenn du anfängst." Zielt bewusst auf Leute, die gerade erst wechseln, nicht auf Fortgeschrittene.

Beleg
193.110 Views bei 10.727 Speicherungen
Warum stark
Wird gespeichert statt nur geschaut. Speicherungen sind der beste Reichweiten-Multiplikator, den wir messen können.
Format 4

Die kuratierte Liste mit Beweis

Mehrere Tools in einem Video, aber nur mit hartem Beleg pro Eintrag (GitHub-Sterne, Zahlen) und einem Anlass, warum ausgerechnet jetzt.

Beleg
206.578 Views bei 13.777 Speicherungen, unser größtes Video überhaupt
Warnung
Ohne Beleg und ohne Anlass kippt genau dieses Format ins Gegenteil. Unsere drei schwächsten Videos der letzten Wochen waren alle Listen ohne beides.

Vier Formate, die wir noch nicht machen

Gesammelt bei Creators, die damit deutlich über unserem Schnitt liegen. Jeweils mit Einschätzung, was es bei uns kosten und bringen würde.

Neu A

Das stumme Ergebnis-Schaufenster

Eine Person arbeitet im Bild, spricht aber nicht. Oben klebt der ganze Clip über ein Titelbanner. Darüber laufen nacheinander gebrandete Karten, jede zeigt ein fertiges Ergebnis mit Screenshot und zwei Sätzen Erklärung. Musik statt Stimme.

Titelkarte des Formats
Banner bleibt den ganzen Clip stehen
Ergebniskarte Cash-Flow-Kalender
Karte 2 mit Screenshot und Nutzen-Satz
Ergebniskarte Kontakt-Tracker
Karte 3, gleicher Aufbau, eigenes Branding unten
Struktur
Titel bleibt fix · 5 Karten à ca. 4 Sekunden · Keyword-Aufruf in der Bildunterschrift
Aufwand
Kein Skript, kein Ton, kein Auswendiglernen. Dafür fünf gebaute Ergebnisse und ein sauberes Kartendesign.
Passt zu uns
Sehr gut. Wir bauen ohnehin ständig Dinge, die wir bisher nur erzählen statt zu zeigen.
Empfehlung: aufnehmen. Das ist das einzige der vier Formate, das ohne Sprechen auskommt, und es macht aus Arbeit, die sowieso anfällt, direkt Content.
Neu B

Prompt und Ergebnis nebeneinander

Selfie-Perspektive, Titel im Bild, dann bildschirmfüllend das erzeugte Ergebnis mit dem kompletten Prompt darunter als lesbarer Textblock. Der Zuschauer kann mitschreiben oder pausieren, und genau das erzeugt Speicherungen.

Titel des Prompt-Formats
Titel plus Bezugsquelle in der zweiten Zeile
Ergebnisbild mit vollständigem Prompt
Ergebnis oben, vollständiger Prompt darunter
Schlusskarte mit Aufruf
Schlusskarte mit Keyword und Frist
Stärke
Der Prompt ist der Beweis. Man sieht sofort, dass es echt ist, und will ihn haben.
Schwäche
Funktioniert nur, wenn das Ergebnis optisch beeindruckt. Bei Text- oder Terminal-Ergebnissen trägt es nicht.
Empfehlung: bedingt. Für Bild- und Videothemen stark, für unsere Kernthemen nur bei visuellen Ergebnissen.
Neu C

Die Drei-Stufen-Wertung

Talking-Head, über dem Kopf drei farbcodierte Karten. Unten im Bild steht die Kategorie. Der Zuschauer sieht in einer Sekunde ein komplettes Urteil und bleibt, um zu prüfen, ob er widerspricht.

SchlechtOption A
Geht soOption B
Am bestenOption C
Beispiel der Drei-Stufen-Wertung
Kategorie unten, Wertung oben, Farben tragen die Aussage
Stärke
Erzeugt Widerspruch, und Widerspruch erzeugt Kommentare. Sehr schnell zu produzieren.
Risiko
Ein Urteil ohne Begründung wirkt beliebig. Es braucht pro Stufe einen Satz, warum.
Variante
Mehrere Kategorien hintereinander in einem Clip, jede mit eigener Wertung.
Empfehlung: aufnehmen, aber als Nebenformat. Billig in der Produktion, gut für Kommentare, trägt aber keinen Lead-Magneten.
Neu D

Das redaktionelle Karussell

Acht Bildkarten statt eines Videos. Cover mit einer Zuspitzung, dann pro Karte ein Anwendungsfall mit fertigem Prompt in einer Terminal-Box zum Abtippen. Durchgehendes Layoutraster, Seitenzahlen, technische Randnotizen als Stilmittel.

Cover des Karussells
Cover: zwei Wörter, Maskottchen, Versprechen
Vergleichskarte
Vergleich mit klaren Zahlenkarten
Anwendungsfall mit Prompt
Anwendungsfall mit Prompt-Box
Zweiter Anwendungsfall
Gleiche Bauform, anderer Fall
Weitere Karussellkarte
Fortsetzung der Reihe
Weitere Karussellkarte
Fortsetzung der Reihe
Weitere Karussellkarte
Fortsetzung der Reihe
Abschlusskarte
Abschluss mit Aufruf
Wirkung
Karussells werden gespeichert und geteilt statt nur geschaut. Beim Beispiel oben stehen den Likes rund die Hälfte an Kommentaren gegenüber.
Aufwand
Am höchsten von allen vieren, dafür kein Dreh, kein Ton, kein Gesicht.
Vorteil bei uns
Die Produktionsstrecke dafür steht bereits. Wir können Karussells in diesem Stil erzeugen, ohne etwas Neues aufzubauen.
Empfehlung: aufnehmen. Ergänzt die Reels, statt mit ihnen zu konkurrieren, und trifft den Speicher-Hebel, der uns aktuell fehlt.

Ein weiteres Format, das noch fehlt

Aus der Auswertung der eigenen Videos, nicht abgeschaut.

Idee

Ergebnis zuerst, Weg danach

Die ersten zwei Sekunden zeigen ausschließlich das fertige Ergebnis, erst danach kommt die Erklärung. Also genau umgekehrt zu unserem Standard, bei dem wir zuerst das Problem beschreiben und die Lösung ans Ende stellen.

Warum das naheliegt: Unsere schwächsten Videos verbringen die ersten Sekunden mit Kontext. Die stärksten liefern sofort etwas Sichtbares. Das lässt sich mit jedem Thema kombinieren und kostet keine zusätzliche Produktion, es ist reine Reihenfolge.